Softwarevergleich von Magento, OXID und Shopware

Was ist eine sinnvoll dimensionierte Softwarelizenz und welcher Anbieter passt zu mir? Magento oder doch lieber OXID oder Shopware? Community, Professional, Professional Plus oder Enterprise?

Lizenzfreie Lösungen für Einsteiger und zum Testen

Die lizenzfreien Shopversionen sind ideal für Kunden die mit den Standardfunktionen des jeweiligen Shops auskommen, ein geringes Budget < 10.000 Euro haben und erstmal ein wenig ausprobieren möchten. Hier sind die Community Versionen prima geeignet um ohne Lizenzkosten zu starten.

Mittelklasselösungen kratzen an Enterprise-Klasse

Die Einstiegsversionen von OXID und Shopware sind schon recht leistungsfähig und kratzen an der Enterprise-Klasse. Zudem gibt es von beiden Herstellern einen erstklassigen Support.

Preis-/Leistungssieger ist hier ganz klar Shopware: Für 1.295 Euro bekommt man 12 Monate Support (danach ab 49 Euro/Monat) und hat im Vergleich zur Community Edition einige zusätzliche Features inkludiert: Import-/Export Funktion und das hochgelobte Story-Telling-Feature. Ob man die ebenfalls enthaltene kleine Warenwirtschaft von Pickware nutzen möchte und ob diese ausreichend ist, muss jeder Shopbetreiber für sich selbst entscheiden. Für Premium-Plugins wie z.b. den intelligenten Newsletter oder eine intelligente Suche kommen nochmal jeweils 495 Euro oben drauf. Das läppert sich zwar, aber die Features sind ihr Geld wert und wären in „Agenturarbeit“ deutlich teurer zu erstellen.

Die OXID Professional-Edition startet bei einmaligen Lizenzkosten von 2.990 Euro, der Support bei 89 Euro im Monat. Wer sich beide Systeme anschaut wird zudem feststellen, dass das Shopware Backend schick gestaltet und intuitiv zu bedienen ist. Das OXID Backend läd zwar schneller und ist, wenn man die Bedienung einmal verstanden hat, auch gut zu bedienen, doch auch nach der Überarbeitung und der Integration des neuen Visual-CMS-Editors wirkt OXID im direkten Vergleich nicht ganz so schick wie der Shopware Administrationsbereich.

So sehen die Administrationsbereiche aus:

Screenshot: Shopware-Backend

Screenshot OXID-Backend mit Visual CMS

Screenshot Magento-Backend

Besonders schön ist, dass Shopware bereits im Standard Rechte und Rollen unterstützt und ab Version 5.2 kostenlos zusätzliche Subshops hinzugefügt werden können. Beides bietet OXID erst in der Enterprise Version, dann allerdings auch mit einer kompletten Mandatenlogik dahinter. (Mehr dazu unter Mandanten, Subshops und Multishops bei Shopware) Darüber hinaus, gibt es bei Shopware eine API an die man mit etwas Know-How andocken kann. Der OXID ERP Connector kostet stolze 1.990 Euro zusätzlich.

Oh, jetzt habe ich Magento vergessen, nein doch nicht, denn bei Magento gibt es weder Support, noch wird die Mittelklasse bedient da diese Anfang 2012 eingestellt wurde, Magento Agenturen besetzen die Lücke zwischen CE und EE.

  • OXID Professional Edition

    • Kosten
      2.990 Euro *
    • Support
      ab 89 Euro/Monat
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      nein
    • Mandantenfähigkeit
      nein, erst ab EE
    • Rechte & Rollen
      nein, erst ab EE
    • Schnittstelle
      optional, 1.990 Euro

  • Shopware Professional

    • Kosten
      1.295 Euro
    • Support
      12 Monate inkl. dann ab 49 Euro/Monat
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      nein
    • Mandantenfähigkeit
      nein, nur Subshops (kostenlos)
    • Rechte & Rollen
      ja
    • Schnittstelle
      ja

  • Shopware Professional+ **

    • Kosten
      5.995 Euro
    • Support
      12 Monate inkl. dann ab 49 Euro/Monat
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      nein
    • Mandantenfähigkeit
      nein, nur Subshops (kostenlos)
    • Rechte & Rollen
      ja
    • Schnittstelle
      ja

** In der Shopware Professional Plus sind alle Shopware Premium Plugins bereits enthalten.

Königsklasse Enterpriselösungen

Kommen wir zur Königsklasse, zumindest wenn wir die Online-Pure-Player wie Amazon und Co. mit ihren eigenen Entwicklungen mal außen vor lassen. Hier ist die Lizenzentscheidung zwar auch abhängig von einem Projektbudget, aber mehr noch von den Leistungsanforderungen. Insbesondere in den Peaks, also im B2C oftmals in der Weihnachtszeit müssen die Shops auch unter Last sicher und schnell funktionieren.

Magento 1 liegt hier bei ca. 14.000 Euro pro Jahr. Für die neue Magento 2 muss man sogar noch deutlich tiefer in die Tasche greifen, hier werden ca. 21.000 Euro pro Jahr fällig. Ich muss nun zugeben, dass ich auf der mittlerweile gar nicht mehr übersetzten Website von Magento daran gescheitert bin, eine detaillierte Leistungsübersicht zu finden. Sollte sich also in den Angaben unten ein Fehler eingeschlichen haben, bitte einfach eine Mail senden.

Oxid EE beginnt bei 14.900 Euro für 3 Mandanten, 3 Admin User und 1 Single Server Installation (ein weiteres Failoversystem ist mit lizensiert) inkl. Test- und Staging Key.

Bis Februar 2017 wurden die Kosten der Shopware Enterprise Edition auf Basis der tatsächlichen Besucher und Bestellungen pro Jahr berechnet. Los ging es bei rund 20.000 Euro. Pünktlich zur Internet World 2017 wurde dann ein neues Pricing geschnürt. Die Enterprise kommt nun mit sogenannten Acceleratoren daher. Erweiterungspakete, wie zum Beispiel die nun in der bei 29.995 Euro beginnenden Shopware Enterprise enthaltene „Enterprise“ Search oder die B2B-Lösung, die mit einem Aufpreis von 20.000 Euro zu Buche schlägt. Shopware limitiert nicht auf wieviele Server des lizensierten Unternehmens das System verteilt wird und legt alle verfügbaren und zukünftigen Shopware Premium-Plugins obendrauf.

Der Support ist bei OXID vom gewünschten Service-Level abhängig und startet mit monatlichen Kosten für den Starter Pack von 270 Euro. Shopware liegt etwas darüber und beim Enterprise Basis Paket bei 499 Euro. Magento leistet den Support im Rahmen der Jahresgebühr.

  • Magento Enterprise Edition

    • Kosten
      Magento 1 ab 16.000 Euro pro Jahr (!)
      Magento 2 ab 20.000 Euro pro Jahr (!)
      + 2,2 % vom Shopumsatz
    • Support
      inklusive
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      ja
    • Mandantenfähigkeit
      ja
    • Rechte & Rollen
      ja
    • Schnittstelle
      ja
    • erweiterte Suchfunktion
      ja, Solr

  • OXID Enterprise Edition

    • Kosten
      14.900 Euro
    • Support
      ab ca. 270 Euro/Monat
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      ja
    • Mandantenfähigkeit
      ja, 3 inkl., weitere optional
    • Rechte & Rollen
      ja
    • Schnittstelle
      optional ab 2.990 Euro
    • erweiterte Suchfunktion
      nein, Standardsuche

  • Shopware Enterprise Edition

    • Kosten
      ab 29.995 Euro
    • Support
      ab 749 Euro/Monat
    • responsive Template
      ja
    • Stagingsystem
      ja
    • Mandantenfähigkeit
      ja, 1 Mandant inkl. weitere je 9.995 Euro
    • Rechte & Rollen
      ja
    • Schnittstelle
      ja
    • erweiterte Suchfunktion
      ja, Elastic Search

Das passende Shopsystem

Einsteiger, schaut Euch an welches Community-System OXID, Magento oder Shopware ohne Herstellersupport am besten zu Euch passt und dann – viel Glück ????

Mittelklassehier führt zumindest im B2C kein Weg an der Shopware Professional Edition vorbei, insbesondere dann nicht, wenn nahe am sehr leistungsstarken responsive Basistemplate entwickelt werden kann. Die darin enthaltenen Marketing-Funktionen sind ziemlich gut. Im B2B Bereich oder wenn ein Warenwirtschaftssystem eingesetzt werden soll, ist die OXID Professional Edition einfacher auf individuelle Anforderungen anpassbar. Hier sollten also neben den Lizenzkosten auch die Kosten für Dienstleistungen wie die Shoperstellung oder die Anbindung von Drittsystemen mit in Erwägung gezogen werden.

Enterprise, hier hat OXID mit dem Enterprise Edition Starter Pack ein sehr überzeugendes Angebot geschnürt. Zudem glänzt OXID mit einem sauberen Quellcode und einer hohen Qualitätsdurchdringung durch Unit-Tests. Im Vergleich zu den hohen laufenden Kosten von Magento EE und der vergleichsweise teuren Shopware Enterprise ist OXID auch mein klarer Preis-/Leistungssieger. Es lohnt aber bei Shopware genau hinzuschauen, die enthaltene sehr leistungsfähige Enterprise-Search, unlimitierte Subshops und die Möglichkeit das System auf beliebig vielen Servern zu installieren lässt sich zumindest OXID nochmals extra vergüten.

Für ambitionierte B2B Projekte hat OXID seit Sommer 2015 seine B2B Edition im Portfolio, die für einen Lizenzpreis ab 32.000 Euro bereits viele B2B Funktionen wie Freigabeprozesse, Sammelbestellungen, Bestellvorlagen, Schnittstellen zu AX, NAV und SAP und vieles mehr liefert. Mehr dazu auch in unserem Blogbeitrag „Für wen lohnt sich die OXID eShop Enterprise B2B-Edition?“. Shopware hat hier nachgezogen, ich werde dazu bei Gelegenheit ausführlich berichten..

Ausblick

Der Verkauf von Magento an Permira wurde zum 2. November 2015 vollzogen. Hier ist nun endlich die lange verschobene Magento 2 released worden. Auf Sicht wird sich Permira jedoch ausschließlich darum bemühen Magento für den nächsten Käufer gut aussehen zu lassen. Eine langfristige Prognose für Magento mag dementsprechend auch niemand geben. Immerhin, ließ sich der chinesische Investor Hillhouse-Capital eine Beteiligung an Magento 250 Mio. $ kosten. Die Gesamtbewertung für Magento liegt lt. einem Insider des Deals bei 700 Mio. $. Mit dem frischen Geld soll der asiatische Markt und die Magento-Cloudlösung vorangetrieben werden.

Shopware gehört hierzulande inzwischen zu den etablierten Playern im Enterprise-Segment. Auch für die B2B Kunden hat Shopware als Add-On zur Enterprise-Lösung die B2B Suite im Portfolio. Diese Entwicklung wird sicher für Kopfschmerzen bei manchem Wettbewerber sorgen, denn neben einem gradiosen Marketing sind die Schöppinger derzeit sicherlich die innovativsten Player auf dem Markt. Damit die damit verbundenen schnellen Releasezyklen keine negative Auswirkungen auf die Codequalität haben, wurde von Version 4 auf 5 fleissig Code neugeschrieben. Dieser Prozess wird iterativ fortgeführt, so dass der Code möglichst immer dem Stand der Technik entspricht. Automatisierte Last- und Unittests sind bei Shopware ebenfalls unverzichtbarer Standard. Auf dem Shopware Community Day 2017 hat Vorstand Stefan Hamann außerdem einen Ausblick in die Zukunft der Schöppinger gegeben: Neben Produktdarstellung in 3D und AI wird der Softwarekern sowie das Backend komplett neu entwickelt. Das  vereinfacht die Anpassbarkeit des Systems. Die ebenfalls angekündigte neue API erweitert die Breite der über Shopware umsetzbaren Geschäftsmodelle

Auch bei OXID eSales in Freiburg arbeiten die Entwickler mit Hochdruck an der neuen Version 6 der Software. Derzeit läuft die Beta-Phase, ab Sommer soll dann das Final-Release 6.0 erfolgen. Flexibler, schneller und vor allem komplett unverschlüsselt wollen die Freiburger in die Zukunft gehen.

Fazit

Die passende Softwarebasis zu finden ist stark abhängig von den Anforderungen an die Lösung. In den Enterprise-Projekten die ich in den vergangenen 18 Jahren begleitet habe, waren die Anforderungen immer sehr individuell, so dass mit dem Shop-Standard auch in den Enterprise Editions in den meisten Fällen kein Auskommen gegeben war. Im Enterprise Geschäft müssen dann saubere und belastbare Lösungen her. In der Summe dieser Anpassungsleistungen, die von den Dienstleistern erbracht werden, kann sich ein Lizenzkostenvorteil wieder aufheben. Im Vorfeld ist dann stark die Expertise des Agenturpartners gefragt um eine passende und wirtschaftliche Lösung zu finden.

Wir haben aus diesem Grund bewusst dazu entschieden Shoplösungen unterschiedlicher, führender Hersteller wie CommercetoolsOXID und Shopware anzubieten. Deshalb dürfen Sie sich bei uns auch gerne dann melden, wenn Sie sich noch nicht für eine Software entschieden haben, wir beraten Sie gerne und unvoreingenommen.

Originaltext geposted von Oliver Kraft in unserem Blog.
Diese Seite wurde am 12. Juni 2017 aktualisiert.

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