Wie nenne ich mein Online-Unternehmen denn bloß?

Da hat man als Unternehmer die zündende Idee für ein mordsmäßiges Online-Geschäft. Der Markt und die Wettbewerber werden analysiert und siehe da, es tut sich tatsächlich eine Lücke auf wie damals 54 in der ungarischen Hintermannschaft… zwar schießt Rahn hier bei uns nicht aus dem Hintergrund, in unserem Beispiel geht es um ein ganz einfaches Phantasie-Hightech-Produkt, die Wärme-Socke…

Jetzt gehen die Planungsarbeiten los: Welche Socken-Größen brauchen wir, welche Farben, Stoffe, mit Ober-, Mittel- oder Unterbund, welches Shopsystem benötigen wir, welche Warenwirtschaft, welches Design soll der Online-Shop haben, welcher Domain-Name ist noch frei… Moment, wir haben ja noch gar keinen Namen für unsere fulminante Geschäftsidee.

Also her mit einer hippen Kreativ-Agentur…

Und schon gehen die hippen und kreativen Kickoff-Meetings, Brainstorming-Meetings und Lets-talk-about-everything-that-can-not-fast-enough-climb-on-a-tree-Meetings (man merkt, ich habe eine „Vorliebe“ für Anglizismen) los.

Die ersten Ideen der hippen Kreativ-Agentur für unseren Wärme-Socken-Shop werden dann vorgestellt, natürlich der ganzen Reihe durch nur hippe, kreative Namen wie „Slogger“, „Buldosa“, „Schick-Schim“ oder „Wämbämser“ …

Kreativ auf jeden Fall, hippig auch… allerdings fragte sich der Geschäftsführer, was der Name denn mit seinem Socken-Produkt zu tun hätte. Die Antwort der kreativ-hippen Agentur folgte direkt on the feet, äh, auf dem Fuß:

„Natürlich nichts, dafür aber ist der Name hipp und kreativ… und schließlich wollen wir ja einen Markennamen aufbauen, so wie Tempo für Taschentücher steht, Coca-Cola für koffeinhaltige Brausegetränke, Engländer für schlechtes Essen…“

Interessante Argumentationskette, fand der Geschäftsführer. Interessant, aber wenig überzeugend… und damit war die hippe, kreative Agentur also am Ende der Beauftragungskette angelangt.

Es musste also immer noch ein Name her.

Also laden wir doch eine alteingesessene Werbeagentur aus dem katholischen Hinterland ein, dachte der Geschäftsführer.

Nachdem die Präsentation eher einer Amish-Bekehrungszeremonie glich, waren auch die vorgestellten Ergebnisse der Werbe-Agentur ähnlich überzeugend: „Sockenverkauf“, „Sockensonderverkauf“, „Supersockensonderverkauf“ und „Supersockensonderverkauf, auch am Sonntag“…

Als der Pferdewagen der alteingesessenen Werbeagentur vom Hof gerauscht war, stellte sich die traurige Erkenntnis ein, dass immer noch ein passender Name fehlte.

Die einen Vorschläge waren zu hip, die anderen zu konservativ. Aber ist ein Name wirklich so elementar wichtig für den Erfolg eines Unternehmens, auch in den weiten Welten des Internets?

Sorry, ist er leider nicht…

Erfolg im Internet kann man sowohl mit hippen als auch mit konservativen Unternehmensnamen haben… und selten noch nie hatte ein Shop Riesenerfolg, nur weil der Name so großartig gewesen ist.

Wichtig ist nur, dass der Name nicht irreführend erscheint:

Gerade im Internet ist der erste Eindruck sehr, sehr wichtig, da man mit einem Klick eine Webseite oder ein Suchergebnis schon wieder verlassen kann.

Wenn unser Socken-Geschäft Interessenten, die auf der Suche nach Socken sind, zu Käufer machen soll, sollte der Name des Socken-Geschäfts nicht gerade „UBB – Untere Bein-Bekleidung“ oder „Schutz-vor-Kälte-von-Unten“ lauten… ich würde bei diesen Namen entweder an Hosen oder an Unterbodenschutz fürs Auto denken, aber leider nicht an Socken… und schon verlasse ich die Webseite wieder.

Und kaufe vielleicht meine Socke dann doch beim „Supersockensonderverkauf.de“… oder gleich auf „Wämbämser.com“…

Michael Thelen

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