Überraschungsskandal bei Amazon – da wiehert die Lasagne

Die letzte Woche war hart für mich! Ich bin Vielbesteller bei Amazon, esse gerne Lasagne und hätte Cascada vermutlich überall hingeschickt, nur nicht nach Malmö.

Es ist erst wenige Monate her, dass Günter Wallraff mit seiner Reportage alles zunichte gemacht hat, was uns Doug Heffernan in 9 Staffeln „King of Queens“ vermittelt hat, schon legt die ARD noch einen drauf und schaut sich an, was Online-Primus Amazon in seinen Logistikzentren so macht.

Nichts Gutes, das wissen wir nun. Rechtsradikale Paramilizen bewachen aus aller Herren Länder herangekarrte Leiharbeiter in tristen Ferienparks. Das ist ja fast wie in vergangenen Wirtschaftswunder-Jahren.

Nun, sicherlich kann man das nicht gutheißen. Jetzt ist erstmal Shitstorm angesagt, bösen Kommentar absetzen, Amazon bei Facebook disliken und mal ’ne Woche woanders bestellen. Aber machen wir uns doch nichts vor: Amazon hat das Ganze sicherlich auf die Spitze und darüber hinaus getrieben, aber wer heute als mittlerer oder großer Online-Händler seine Logistik nicht bis ins letzte Detail prozess- und kostenoptimiert hat, den bestrafen letztlich die Verbraucher.

Eine Optimierung kann man sicherlich mit Automation und optimal abgestimmten Abläufen erreichen, aber es ist nunmal billiger, einen nach Mindestlohn bezahlten Leiharbeiter eine Stunde anzulernen und ihm Barcodereader, Handkarre und Pickliste in die Hand zu drücken. Habe ich viel zu tun, viele Leiharbeiter, habe ich wenig zu tun, wenige Leiharbeiter. Ist doch toll, oder!?

Ein Versandunternehmen, das versucht den Gewinn zu optimieren, muss sich zudem mit Retourenquoten, dem lästigen Widerrufsrecht und Rücksendekosten rumschlagen. Preissuchmaschinen ermöglichen eine gigantische Markt- und Preistransparenz und wir Verbraucher sind nun einmal geizgeil und ungeduldig geworden. Mal ehrlich, wie wurstegal war jemandem, der am 23.12. noch per Morning-Express für Weihnachten bestellt hat, ob der Kommissionierer im Lager Spaß oder wann der Paketmann am Heiligabend Feierabend hatte!?

Logistik für lau gibt es genauso wenig wie gute Lasagne für 1,45 Euro. Versuchen Sie das doch mal zuhause frisch nachzukochen. Da darf man sich nicht wundern, wenn Fury Abends nicht mehr auf der Weide steht.

Ach ja, Casada und Malmö – uh, da kann ich auch gleich Currywurst bei McDonald’s essen.

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

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