Shopbetreiber im Optimierungswahn

Im Online-Handel, so heißt es, zählen oft die Kleinigkeiten! Das ist zwar nicht falsch, richtig ist aber auch, dass noch viel zu häufig grundlegende Dinge vernachlässigt werden.

Regelmäßig begegnet man Online-Händlern, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man die Conversionsrate des eigenen Shops pushen könne. Genauso regelmäßig wird dann episch erläutert, welche Optimierungsmaßnahmen man bisher unternommen habe. Da wurde dann beispielsweise der Bestellprozess zerpflückt und nachher in „nutzerfreundlicher Weise“ und „zielgruppengerecht“ wieder zusammengepuzzelt. Es wurden „klickigere“ Farben gewählt, um die „Call-to-Action Buttons“ in den Vordergrund zu rücken. Die Startseite wurde natürlich ebenfalls aufgeräumt und die Suchfunktion optimiert. Doch O-Wunder, der Effekt tendiert gegen null. Denn es sind bei vielen Online-Shops eben häufig nicht die viel propagierten Kleinigkeiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sondern tatsächlich die ganz grundlegenden Dinge. Dabei scheinen sich viele Online-Händler die Frage nach dem eigenen USP und dem Kundennutzen gar nicht zu stellen. Das was offline funktioniert, wird ganz einfach ins Internet gepresst. Das der Online-Kanal aber mitunter anders funktioniert als der Offline-Kanal, scheinen dabei viele Händler geflissentlich zu ignorieren. Innovationen? Fehlanzeige! Stattdessen wird kopiert und adaptiert, denn das was andere machen, kann ja so schlecht gar nicht sein. Ist das Kind dann erstmal in den Brunnen gefallen, bricht Hektik aus. Es müssen schnelle Lösungen her, um das teils hohe Investment zu rechtfertigen. Vom Grafiker, über die Agentur die das Ganze technisch umgesetzt hat, bis hin zur Marketing-Agentur stehen alle unter Generalverdacht, denn es kann ja nur an der Nutzerführung, dem Shopsystem oder dem Marketing liegen. Die Bereiche bieten zwar fraglos ein hohes Fehlerpotential (welches nicht selten auch ausgeschöpft wird), aber die Frage, ob nicht zuallererst das Angebot eine Relevanz für die Zielgruppe vermissen lassen könnte, wird vollkommen ausgeblendet oder direkt vom Tisch gewischt. Dabei sind es genau diese grundlegenden Fragen, die darüber entscheiden, ob die Basis für einen erfolgreichen Online-Vertrieb überhaupt vorhanden ist. Viele Shopbetreiber suchen den heiligen Gral stattdessen  lieber im Thema Usability, einem zweifellos wichtigen Erfolgsfaktor, der aber trotzdem nicht über grundlegende Mängel hinwegtäuschen kann. Zahlreiche Shops zeigen, dass man auch mit einem Frontend, bei dem Usability-Experten regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, erfolgreichen E-Commerce betreiben kann. Beispielhaft sei hier auf den Online-Shop Herrenaustatter.de verwiesen.

Wessen Online-Shop allerdings einen klaren Mehrwert bietet, den die Kunden auch verstehen und als solchen wahrnehmen, der kann und sollte sich ans Feintuning begeben. Etwas, das man noch ein klein wenig besser machen kann, gibt es eigentlich immer. Tolle Produkte zu einem guten Preis, kombiniert mit hervorragendem Service sind halt eben auch nicht alles.

Philipp Hoberg

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