Recap vom Content-Commerce Summit 2016 in Leipzig

Ich muss gestehen, ich war etwas skeptisch, als ich meine Reise nach Leipzig angetreten bin: Ist Content-Marketing nicht einfach nur die nächste bunte Sau, die durchs Dorf getrieben wird – oder ist es vielleicht sogar eine Sau, die man schon in der Vergangenheit öfters mal durchs Dorf jagte, nur diesmal unter einem anderen Namen?

Und was mich bei dieser ganzen Treibjagd immer am meisten interessiert – was bleibt übrig, wenn die Sau durch ist? Ist es nur ein vorübergehender Hype, über den nächstes Jahr um diese Zeit kein Mensch mehr spricht? Oder ist es etwas, dass wirklich das Potential hat, sich im Marketing-Mix festzusetzen?

Auf diese Fragen suchte ich Antworten und diese erhoffte ich auf der Content-Commerce in Leipzig zu finden.

Ich mag Leipzig, die Anreise gestaltete sich problemlos, Hotel zentral am Hauptbahnhof gelegen (aber trotzdem ruhig) und gleich auch einen der begehrten Hotelparkplätze ergattert (davon gab es wirklich nur 12 Stück, der Kampf um die freien Plätze war aufgrund dieser bewussten Verknappung nicht mehr so ruhig wie die Hotel-Lage an sich).

Tag 1: Content-Strategie Workshop bei Doris Eichmeier

Am Mittwochmorgen ging es dann zur ersten Veranstaltung, gelegen in einem wunderschönen Villenviertel mit Kopfsteinpflaster in Leipzig.

Content-Commerce Location Tag 1

Content-Commerce Location Tag 1

Ich hatte mich für einen ganztägigen Content-Strategie Workshop bei Doris Eichmeier entschieden: „Die Grundlagen Ihres Erfolgs: Was Sie über Content-Analyse und Content-Strategie wissen müssen“. Ich war sehr gespannt und wie gesagt etwas skeptisch eingestellt. Das liegt auch daran, dass ich mit dem Thema Webseiten- und Content-Optimierung sehr analytisch und zahlenorientiert umgehe, sprich: Was Analytics nicht weiß bzw. mir anzeigt, macht mich auch nicht heiß.

Das ist auch der Grund, warum Content-Marketing für mich so schwer greif- und fassbar (gewesen) ist: Der Erfolg von Content-Marketing ist in den gängigen Tracking-Tools halt nicht direkt messbar und wirkt sich gerade in der Anfangszeit nicht unbedingt auf Besucher- und Umsatzzahlen aus. Und seien wir alle mal ehrlich, auf eine dieser beiden Zahlen schauen die meisten der Entscheider in Unternehmen, wenn es um ihren Online-Auftritt geht – und die allermeisten sogar noch eher auf die Umsatzzahlen.

Ich halte Analyse-Erfolgszahlen weiterhin für sehr wichtig, allerdings hat Frau Eichmeier es auch bei mir geschafft, darüber hinaus zu denken: Um erfolgreiches Content-Marketing zu betreiben, ist neben vielen anderen Faktoren ein langer Atem besonders notwendig: Der Nutzen und die Sinnhaftigkeit eines langen Atems bei der Umsetzung einer Content-Marketing Strategie wurde im Rahmen des intensiven Workshops von Frau Eichmeier sehr gut dargestellt, besonders gefallen hat mir die Notwendigkeit der konsequenten Sicht auf die Webseite / den Content aus den Augen des Verbrauchers – das klassische „der Wurm muss den Fisch schmecken und nicht dem Angler“.

Sehr effizient fand ich auch die Selbstwahrnehmung von Unternehmen dem Besucherempfinden gegenüberzustellen. Interessant, wie Unternehmen/Marken sich selbst wahrnehmen – und wie selten dieses Selbstverständnis gerade im Außenauftritt auch auf Webseiten umgesetzt wird.

Der Intensiv-Workshop dauerte bis knapp nach 18.00 Uhr und er hatte sich für mich definitiv gelohnt – wenn auch meine Skepsis nicht vollkommen zerstreut wurde, habe ich doch sehr gute Ansätze und neue Gedankengänge zum Thema „Content-Marketing“ mitnehmen können.

Content-Commerce Workshop Tag 1

Content-Commerce Workshop Tag 1

Tag 2: Konferenz

Der zweite Tag fand dann auf dem Mediencampus Leipzig statt. Mehrere einstündige Vorträge zu den Themen rund um das Thema Content-Marketing verstärkten den positiven Eindruck des Intensiv-Workshops vom Vortag, einige der besprochenen Themen wurden nochmals vertieft, andere Inhalte wurden praxisbezogen dargestellt.

Content-Commerce Begrüßung Tag 2

Content-Commerce Begrüßung Tag 2

Besonders hervorheben möchte ich dabei die Vorträge von Tim Schwarz, der anhand der Webseite des Schokoladenherstellers Rausch.de eine perfekte Umsetzung des Storytellings präsentierte. Sehr gut gefallen hat mir auch der Vortrag von Danny Nauth zum Thema Zielgruppen-Analyse und wie die verschiedenen Zielgruppen am besten angesprochen werden können. Abschließend möchte ich noch Markus Meyer-Westphal nennen, der in seinem Vortag wunderbar aufzeigte, dass auch im B2B-Umfeld über gute Content-Inhalte die Besucher einer Webseite schnell zu den gewünschten Produkten gelangen.

Sehr gut gefallen hat mir bei allen Vorträgen, dass die Referenten 60 Minuten für ihre jeweiligen Vorträge zur Verfügung hatten. Normalerweise werden auf solchen Events ja immer die berühmten 20-Minuten-Slots angesetzt, ich muss gestehen, mir wird es dadurch fast immer zu hektisch, da ich mich auch gedanklich gerne etwas länger und damit intensiver mit den vorgestellten Inhalten beschäftige. Von daher „Daumen-hoch“ auch für die generelle Ansetzung von 60 Minuten-Slots.

Content-Commerce Vorträge Tag 2

Content-Commerce Vorträge Tag 2

Mein Fazit nach dem Content-Commerce-Summit:

Content-Marketing ist nicht die berühmte nächste Sau, die durchs Dorf getrieben und in einem Jahr wieder vergessen sein wird. Allerdings ist Content-Marketing auch nicht komplett neu aus dem prall gefüllten Füllhorn neuer Marketing-Ideen entschlüpft.

Content-Marketing umfasst den Außenauftritt von Unternehmen und Marken aber deutlich strategischer und umfassender, im Gegensatz zu vielen Klein-Klein-Aktivitäten in der Vergangenheit. Nur mit einer ganzheitlichen Unternehmenskommunikation „aus einem Guss“ kann Content-Marketing erfolgreich sein – und das bezieht sich natürlich auch auf die notwendige Verschmelzung von Online- und Offline-Marketing. Und da sehe ich auch eine der Hauptschwierigkeiten bei der Umsetzung einer Content-Marketing-Strategie: Die wenigsten Unternehmen werden in der Lage und willens sein, sich vollständig auf eine umfassende Content-Marketing-Strategie einzulassen, weil es für die Unternehmen mit einem enormen zeitlichen und kostenintensiven Aufbau verbunden sein kann. Außerdem kann es die bisherige Unternehmenskommunikation komplett über den Haufen werfen, was gerade bei langjährig gewachsenen Strukturen sehr schwer umzusetzen sein wird.

Von daher halte ich kleine Schritte bei der Umsetzung einer Content-Marketing Strategie für den richtigeren Weg – wir dürfen als betreuende Agentur niemals vergessen, auch unsere Kunden auf einem evtl. langen Weg einer vollständigen Umsetzung einer Content-Marketing Strategie mitzunehmen. Und genau für eine solche schrittweise Umsetzung einer Content-Marketing Strategie habe ich viele sehr wertvolle Anregungen und Impulse aus Leipzig mitnehmen dürfen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch im nächsten Jahr wieder eine Content-Commerce Summit in Leipzig stattfinden würde – das Thema wird uns alle auch weiterhin beschäftigen und ist auf jeden Fall eine weitere Reise nach Leipzig wert.

 

Michael Thelen

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