Prime ist teuer und riecht nach Minze

Gestern morgen um kurz vor acht steht der Paketdienst auf der Matte – eine Expresslieferung für mich. Hurra ein Geschenk, der Tag beginnt gut. Mit kindlicher Vorfreude beginne ich das Paket zu öffnen, es klappert verdächtig… Vielleicht eine Handvoll Rollsplitt, immerhin soll es heute glatt werden… und es riecht irgendwie … minzig?! Also weg mit dem Geschenkpapier und für Klarheit gesorgt: 6 Päckchen Minzdragees (mit jeweils nur 2 Kalorien pro Stück) liegen vor mir. Der Absender ist meine Frau… Ergo: Ich rieche also schlecht. Der Tag ist doch nicht so gut und warum gibt es hier keine hohen Brücken…

Ein Anruf bei meiner Liebsten klärt alles auf, ich rieche doch ganz gut, aber am Wochenende hatte ich mich „beschwert“, dass im Auto „jemand“ die dort gelagerten Minzdragees konsumiert hat. Also war das Geschenk quasi ein sehr liebes Schuldeingeständnis. Ein teures denke ich. 6 mal Minze per Express, lustig aber ein teurer Gag. „Nein“ erklärt meine Frau, „wir sind doch Prime, das teuerste war die Geschenkverpackung.“

Wir sind „Prime“, von Anfang an. Für knapp 30 Euro im Jahr bestellen wir so ziemlich alles bei Amazon. Verständlich, denn die Lieferung ist für uns kostenlos und in der Regel schon morgen bei uns. Rund 1,5 Milliarden US-Dollar kostete Jeff Bezos und seine Mannen dieser Spaß bereits in den ersten 3 Quartalen 2011 – zugegeben, nicht nur durch uns. Bei einem Gewinn in 2011 von 631 Millionen US-Dollar ein stolzer Wert.

Aber die Anfangs noch als Kamikaze-Idee belächelte Strategie scheint langfristig aufzugehen. Das von Amazon geschaffene Prime ist ein ideales Kundenbindungsinstrument. Ich bezahle dafür, also nutze ich es und zwar ausgiebig.

Was heißt das nun für die Online-Händler? Klar, der Umsatz der bei Amazon generiert wird ist weg. Also sind Strategien gegen die vermeindliche Übermacht gefragt. Klar ist, es gibt sie, aber es gibt kein Patentrezept, nur alte Weißheiten. Mehrwerte schaffen, den eigenen Shop betrachten, die eigenen Stärken hervorheben. Viele unserer Kunden brauchen kein Prime Programm. Der Versand geht auch hier fix, denn ein schneller Versand ist heute Grundvoraussetzung um online Erfolg zu haben – aber ich bin sehr gespannt ob der eine oder andere Händler nicht demnächst sein eigenes Prime Programm aufziehen wird…

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

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