Lebensmittelhandel lässt sich die Wurst vom Brot nehmen

Schon ziemlich lange wird die Frage diskutiert, wie und in welchem Umfang Lebensmittel in Zukunft über das Internet verkauft werden können. Einen lesenswerten Artikel zu diesem Thema habe ich im Handelsblatt gefunden. Darin wird deutlich, dass sich die großen Player im Lebensmittelhandel zwar bemühen, das „unbequeme“ Thema anzugehen, aber mehr als ein paar Ideen und zaghafte Versuche sind dabei noch nicht herausgekommen. Schuld daran sind weniger die Zustellprobleme, als vielmehr die Verbraucher, die laut Hans-Otto Schrader, dem Otto-Chef, nicht bereit sind die Mehrkosten zu tragen, die durch die Lieferung entstehen. Der leidige Verweis auf die Schweizer Nachbarn nervt zwar mittlerweile fast ein wenig, aber auch Coop und Migros lassen sich die Zustellung bezahlen und deren Online-Geschäft scheint ja gar nicht schlecht zu laufen. LeShop schreibt schon seit Jahren schwarze Zahlen, Coop will die Gewinnschwelle demnächst überschreiten.

Dass die Verbraucher hier in Deutschland anders ticken als unsere Schweizer Freunde kann ein Grund sein, warum sich hierzulande keiner der großen Konzerne an Konzepte á la Tesco herantraut. Aber Kaufgewohnheiten ändern sich, glaubt auch Hermes-Chef Hartmut Ilek, der beobachtet, dass Kunden in zunehmendem Maße bereit sind für mehr Bequemlichkeit auch mehr Geld zu bezahlen.

Dass nun ausgerechnet Amazon das Thema Lebensmittel im Internet seit Mitte des vergangenen Jahres offensiv angeht, ist bezeichnend für eine Branche, die es sich laut Rewe-Chef Alain Caparros nicht leisten kann, wichtige Trends zu verschlafen. Was den Lebensmittelversand bei Amazon angeht ist zwar bei weitem noch nicht alles Gold was glänzt, aber mittlerweile muss man fast dankbar sein, dass sich auch mal einer der großen getraut hat, sind es doch aktuell eher die kleineren Unternehmen, die in diesem Bereich von sich reden machen. Ein bisschen mehr solcher Innovations- und Risikofreude würde dem ein oder anderen gestandenen Lebensmitteleinzelhändler ganz gut tun.

Philipp Hoberg

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