Lean Startup

Wohl kaum ein Projektverantwortlicher, egal auf welcher Seite des Tisches er sitzt, kennt die Situation nicht: Ein neues Projekt steht an und die Featureliste ist schier unendlich. Gut, natürlich wurde ordentlich in P1 bis P3 priorisiert, aber jetzt wo das Budget da ist, soll schon möglichst viel in Phase 1. Vor allem das Super-Duper-Filtersystem, an dem sich die Produktmanager 6 Monate lang mal so richtig ausgetobt haben… Das Ergebnis ist im Regelfall ein relativ langer Projektverlauf, obwohl dank der leistungsstarken Basislösungen, sei es nun OXID, Shopware, Typo3 oder sogar Magento 😉 , schon viel schneller eine funktionierende Lösung an den Start gebracht werden könnte. Der „schlanke Start“ oder so schön englisch „Lean Startup“ kann hier ein Lösungsansatz sein.

Das Vorgehen kann grob in 4 Phasen eingeteilt werden:

1. Kick-Off-Phase

In dieser Phase wird das Gesamtprojekt so gut es geht definiert. Hierbei sollte die kurz und mittelfristige Strategie, die Ziele und die Vision darüber hinaus festgelegt werden. Daraus kann dann eine Roadmap entwickelt werden, die natürlich je weiter sie in die Zukunft geht auch ruhig etwas grob werden darf.

2. Basis-Sprint

In Anlehnung an die Scrum-Methodik nennen wir diesen Teil den „Basissprint“. Im Basissprint wird die Minimalversion, auch „Minimum viable Product“ (MVP) genannt, des geplanten Projekts erstellt. Auch wenn der Basissprint in der Regel etwas länger dauert als die folgenden Umsetzungsphasen findet er in enger Abstimmung mit dem Kunden und mit frühen Reviewphasen statt. Schließlich ist das Ziel schnell zum MVP zu kommen.

3. Lean Launch

Am Ende des Basissprint ist sie nun fertig: Unsere Minimalversion. Zwar sind noch nicht alle Wunschfunktionen im System fertig, doch die Version ist bereits stabil und vor allem QA getestet. Zudem können nach dem Lean-Launch auch bereits die Tracking-Tools angeschmissen werden und Daten sammeln.

4. Betrieb und Weiterentwicklung

Unser Minimal viable Product läuft und generiert neben den ersten Umsätzen bereits auswertungsfähige Daten. Der Auftragnehmer setzt bereits die nächsten priorisierten Funktionen um, die werden getestet und gehen dann in regelmäßigen Invervallen z. B. alle 3 Wochen Donnerstags live. Die Daten aus dem System werden ausgewertet und hey, die Kunden im Shop gehen ganz anders vor als bei der Konzeption gedacht: Die meisten Suchen gehen sehr gezielt über die Artikelnummern. Mh, vielleicht könnte man den Super-Duper-Filter noch etwas nach hinten schieben und dafür ein paar andere Funktionen für die Umsetzung priorisieren…

Fazit

Das Lean-Startup bringt deutlich mehr Spaß in ein Projekt. Es ist wesentlich schneller eine funktionierende Version sichtbar. Konzeptionelle Einschätzungen können relativ schnell verändert werden, wenn Daten Hinweise darauf geben, dass dies sinnvoll ist. Und auch der Markt steht während eines Projekts nicht still. Manchmal haben google und Co. ein paar neue Regeln, mal die EU eine neue Norm oder manchmal auch der Wettbewerb eine verdammt gut Idee. All diese Punkte können relativ schnell in das Projekt einfließen und umgesetzt werden. Nicht zu vergessen die Zusammenarbeit: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch die enge Zusammenarbeit und die stetige Verbesserung des Produkts die Grenzen zwischen Dienstleister und Auftraggeber schnell verschwinden: Man arbeitet zusammen in einem Team, hat schneller Erfolg und verbessert sich kontinuierlich.

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

1 Comment
  • Michael Kozlowski

    10. Juli 2015 at 8:22

    Hallo Oliver,

    Lean Launch ist eigentlich spannend. Leider Widerspricht er komplett der deutschen Mentalität. In Deutschland wird in der Regel jedes kleine Problem analysiert, gelöst und eine Prozedur für den Ablauf im Live-Betrieb erstellt. Nur dann ist der Deutsche glücklich.

    Bei Projekten die schlank an den Start gehen wird in der Regel nur noch halbherzig nachgebessert. Getreu dem Motto: „Läuft doch, lass es so“.

    Selbst wenn es für den Erfolg des Projekts unumgänglich ist tut man sich schwer Änderungen am vorgefassten Plan vorzunehmen.

    Wichtige Erfolgsfaktoren sind meiner Meinung nach barrierefreie Kommunikation auf allen Kanälen und schnelles reagieren auf Vorschläge und Anfragen. Transparenter Einblick in den Projektstand und direkter Zugriff auf den aktuellen Stand eines Projektes.

    Viele Grüße

    Michael