Interview mit Johannes F. Sutter (SIX Card Solutions)

Ein aktuelles Interview zuJohannes F. Sutterm Thema ePayment. Im Magazin Webselling spricht Johannes F. Sutter in einem Special über Chancen, Risiken und Trends beim Bezahlen im Internet. Sutter ist Mitglied der Geschäftsleitung der SIX Card Solutions GmbH, dem Anbieter von Saferpay. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Dienstleister für Online-Anbieter BDOA e.V. und für den Arbeitskreis ePayment zuständig.

Herr Sutter, wo liegen heute Chancen und Risiken beim Bezahlen im Internet?
Die E-Commerce Branche muss sich in Deutschland keine Sorgen in Sachen Wirtschaftkrise oder Rezession machen. Insgesamt legte der Umsatz im Online Handel 2009 mit einem Plus von 19 Prozent deutlich zu. Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Die Anzahl der Online Shopper stieg um 12 Prozent auf knapp 30 Millionen (29,5). Die Online Shop Kundschaft sorgte damit für einen Umsatz von rund 13,6 Milliarden Euro. Dabei lagen die Ausgaben im Durchschnitt bei 49 Euro und stiegen damit um 7 Euro im Vorjahresvergleich an..

Das Angebot der richtigen Zahlungsmittel ist dann Erfolg versprechend, wenn es ein gesundes Gleichgewicht aus den Zahlungspräferenzen der Kunden und des Händlers darstellt.
Die verfügbaren Zahlungsverfahren haben sich mit der zunehmenden Bedeutung des Internets für Handelstransaktionen, in den vergangenen Jahren vervielfacht. Die meisten der neuen ePayment Verfahren bauen dabei auf den etablierten Zahlungsverfahren auf oder stellen modifizierte Ausprägungen der etablierten Verfahren für den Einsatz über elektronische Medien dar.

Kunden weichen häufig auf einen anderen Online-Shop aus, wenn das von ihnen favorisierte Zahlungsmittel nicht angeboten wird. Die Konkurrenz im Web sitzt genau einen Maus-Klick weiter! Meines Erachtens ist der Erfolg eines Unternehmens entscheidend abhängig vom Einsatz eines effizienten Risiko-Managements. Das Zusammenspiel von internen Informationen (Limitsteuerung, Retourenverwaltung, Kundenhistorie etc.) und externen Informationen (Adress- und Bonitätsprüfungen, Sperrdateien, Kreditkarteninformationen etc.) mit dem Ziel Zahlungsausfälle auf ein kalkulierbares Maß zu minimieren, spielt hierbei eine wesentliche Rolle.
Grundsätzlich gilt: Das Angebot von mehreren Zahlungsmitteln bedeutet mehr Umsatz – aber nur mit entsprechender Risikoprävention auch mehr Gewinn!

Zu den Erfolg versprechenden Zahlungsmitteln im Internet zählen derzeit neben den klassischen Zahlungsmitteln, wie Kauf auf Rechnung oder per Vorkasse, die Kreditkarte, das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) und PayPal.
Die Kreditkarte ist das meist genutzte Zahlungsmittel weltweit. Mehr als 3 Mrd. Inhaber machen die Kreditkarte zu dem globalen Medium im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Gleichwohl die Anzahl der Kreditkarteninhaber stetig wächst, wächst auch das Ausfallrisiko. Aufgrund internationaler Vorgaben der Kreditkartenorganisationen steht dem Kunden bei Zahlung im Internet ein Widerspruchsrecht zu.

Zum Schutz vor Zahlungsausfällen bei Kreditkartenzahlungen (sog. Chargebacks) haben die beiden großen Kreditkartenorganisationen Visa und MasterCard das Sicherheitsverfahren 3D Secure ins Leben gerufen. Der Kunde wird im Zuge seiner Bestellung im Online-Shop auf die Seite seiner kartenausgebenden Bank weitergeleitet und muss sich dort mit seinem Passwort verifizieren. Der Händler kommt so in den Genuss der erweiterten Haftungsumkehr (Liability Shift). Konkret bedeutet das für den Händler: Im Falle eines Zahlungsausfalls haftet die kartenausgebende Bank und nicht der Händler! Leider mussten wir feststellen, dass erst 25% der Händler das Verfahren einsetzt. Auch anderweitige einfache und effektive Prüfmethoden, wie beispielsweise das Herkunftsland der Karte mit der Lieferanschrift und der Besteller-Adresse abzugleichen, finden in der Praxis wenig Anwendung.

Die Lastschrift gehört neben der Zahlung per Rechnung nach wie vor zu den beliebtesten Online-Zahlungsmitteln der Deutschen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Lastschrift das risikoreichste Zahlungsmittel im Online-Geschäft ist. Die Ausfallrisiken beim ELV und der Zahlung per Rechnung sind gleich hoch. Nach wie vor verarbeiten mehr als 50% der Online-Händler Lastschriften immer noch manuell – ohne Abfragen von Sperrdateien oder der Nutzung von Adress- und Bonitätsprüfsystemen. Die Nutzung solcher Systeme reduziert das Zahlungsrisiko nachhaltig.
Ein weiteres Erfolg versprechendes Internet-Zahlungsmittel ist PayPal. Mit mehr als 10 Mio. PayPal-Konten in Deutschland spricht man heute bereits jeden 3. Online Käufer an. International bestehen bereits über 175 Mio. PayPal-Konten in 190 Ländern. Online Händler steigern durch die Einführung des Verfahren s Ihren Umsatz nicht selten um bis zu 13%.

Welche Trends sehen Sie im E-Payment-Markt für die Zukunft?
Zum einen wird die Verwirklichung der Single Euro Payment Area (SEPA) in den nächsten Jahren neue Trends im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr auf den Märkten Europas setzen. Durch den Abbau gesetzlicher Barrieren und der Vereinheitlichung nationaler Zahlungsmittel werden künftig internationale Zahlungen so einfach und sicher wie nationale Zahlungen von einem einzigen Konto aus möglich sein.
Zum anderen reagieren auch die großen Kreditkartengesellschaften auf stetige Veränderungen des globalen Zahlungsverkehrs am Markt. Neue Produkte und Dienstleistungen sollen den individuellen Bedürfnissen der Internet-Kunden entsprechen.

So können heute bereits bestimmte Zielgruppen mit Prepaid- und/oder Wertkarten ausgestattet werden, die auf Grund ihres Alters (14-25 Jahre) keine Kreditkarten erhalten würden. Die 18-29 jährigen, die häufig aus Bonitätsgründen keine Kreditkarten erhalten, können heute mit einer neuen online Debitkarte global und sicher bezahlen. Aber auch der Klassiker Kreditkarte erhält im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen frischen Wind in den Segeln. Durch Mehrwerte wie Bonussysteme und Versicherungsleistungen oder die Ausgabe individualisierter Motivkarten werden Kreditkarten auch in Deutschland mehr und mehr zu einem interessanten Zahlungsmedium für Internet-User.

Was würden Sie Händlern bezüglich der Zahlungsabwicklung im Internet raten, die in den Verkauf über das Internet einsteigen oder den Umsatz ausbauen möchten?
Nutzen Sie das Know-how und die fachliche Kompetenz von Experten! Ein Payment-Service-Provider (PSP) kennt alle Kniffe und Tricks, um ein erfolgreiches und effizientes E-Payment auf die Beine zu stellen. Wir haben oft erlebt, dass Händler aus vermeintlichen Kostengründen die Dienstleistungen eines PSP nicht in Anspruch genommen haben und somit ein nicht kalkulierbares Risiko eingegangen sind. Diesen Händlern sind durch uneinbringliche Forderungen letztlich mehr Kosten entstanden, als der Einsatz eines PSP effektiv gekostet hätte. Daher würde ich jedem Händler raten nicht an der falschen Stelle zu sparen. Wägen Sie Risiko und Kosten gegeneinander ab – es lohnt sich!
Grundsätzlich gilt: Die Potentiale des E-Commerce lassen sich nicht ohne ein geeignetes Zahlungssystem, das sich den individuellen Bedürfnissen des Internets anpasst, ausschöpfen.

Fehlinformationen und ungenügende Beratung von marktbegleitenden Anbietern oder Händler-Banken können schnell zu einem ernormen Kostenfaktor werden. Ein qualifizierter Partner ist im wahrsten Sinne des Wortes bares Geld wert!
Letztlich geht es nicht nur um die Sicherheit Ihres Kunden, sondern auch um den Erfolg und den Umsatz Ihres Unternehmens.

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