Feinkost aus dem Netz

Dass der Online-Lebensmittelhandel abseits des klassischen Wocheneinkaufs auch in Deutschland schon gut funktioniert zeigen Händler wie bspw. Otto-Gourmet. Das Unternehmen aus der Nähe von Köln hat sich auf Fleischprodukte der Sternegastronomie spezialisiert. Kunden, die es gewohnt sind, mehrere Kilo Fleisch für den nächsten Grillabend für wenige Euro im Discounter um die Ecke zu kaufen, werden sich daher ob der Preise die Augen reiben. Die Zielgruppe von Otto-Gourmet ist eben nicht der Massenmarkt. Ausgewählte und besondere Fleisch- und Fischprodukte kosten halt ihren Preis und den ist die Zielgruppe anscheinend gerne bereit zu bezahlen. Den Versand hat Otto-Gourmet augenscheinlich sehr gut gelöst. Wie ein Packet beim Kunden ankommt und wie die Produkte verpackt werden, sieht man hier. Mit 9,90 Euro sind die Versandkosten meiner Meinung nach auch nicht übertrieben hoch. Wer Fleisch für mehr als 150 Euro ordert (und das ist bei den Preisen schnell passiert), der bekommt seine Lieferung sogar versandkostenfrei.

An den Produkten und der Logistik lässt sich also relativ wenig meckern. Anders der Online-Shop, der so gar nicht zum hochwertigen Image passen möchte. Usability-Experten dürften beim Anblick des Shops die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wahrscheinlich würden sie es für ein Wunder halten, dass überhaupt jemand im Online-Shop von Otto-Gourmet bestellen konnte.

Setzt man die Usability-Brille aber einmal ab, so bleibt der Eindruck, dass Produkt und Konzept passen. Viele Kunden sind wahrscheinlich froh, dass es überhaupt einen solch spezialisierten Anbieter im Netz gibt. Ob ich als Kunde nun auf der Produktdetailseite teilweise nach dem Produktpreis suchen muss, um ihn dann versteckt in einem Drop-Down zu finden, scheint dabei nebensächlich. Natürlich gibt es am Shop auch noch viel mehr zu kritisieren, angefangen beim Aufbau der Startseite, bis hin zu den Produktphotos, die nunmal nicht nach einem Schnitzel für 100 Euro aussehen. Aber der Shop von Otto-Gourmet zeigt, dass Optimierung eben nur ein Baustein im E-Commerce ist und erst dann Sinn macht, wenn auch das Konzept und die Basis stimmen. Aus einem Shop mit Potential, und dazu zähle ich den Shop von Otto-Gourmet, wird man durch verschiedenste Optimierungsmaßnahmen auch noch eine Menge herauskitzeln können. Man wird es aber nicht schaffen, aus einem Online-Shop mit miesem Konzept nur mit ein wenig Optimierung einen Top-Performer zu schmieden.

Philipp Hoberg

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