Enterprise Shops mit Magento, Oxid oder Shopware 2014

ACHTUNG, die Daten in diesem Blogpost sind 2016 nicht mehr aktuell, eine aktuelle Version finden Sie hier: Vergleich von Magento, OXID und Shopware 2016

Oha, das war bestimmt nicht so geplant bei Magento, „Freedom-of-Speech“ hin oder her. Ein angesehenes und aktives Mitglied der Magento Community, Tim Bezhashvyly, Senior Entwickler der 21sportsgroup, hält auf der deutschen Meet Magento einen Vortrag über die harten Wahrheiten von Magento Enterprise. Hätten die Jungs in Culver City gewusst was dort losgetreten wird, wäre zumindest ein offizieller Magento-Sniper unter den Anwesenden gewesen.

Sowas geht natürlich rum, gerade wenn im Mai auch mit Shopware und OXID zwei weitere in Deutschland führende Shopsystem zu Ihren Community Days und den Commons laden. So kommt es auch, dass das Thema in den gängigen Blogs und Webportalen ziemlich breit getreten wird. Die OXID und Shopwarepartner haben ein Dauergrinsen im Gesicht und die Magento Gold-Partner werden aus der Defensive getrieben.

Aber was hat er denn nun so schlimmes herausposaunt der gute Tim? Er stellt das Preis-/Leistungsverhältnis mit den Kosten und dem Nutzen von Magento Enterprise in Frage. Für schlappe 12.000 Euro pro Jahr gibt es:

  • Sicherheitsmechanismen, die nichts taugen
  • rund 40 Extension, die nicht jeder braucht
  • ein paar Bugfixes
  • und einen Support der nicht vorhanden ist.

Na da zück ich doch schnell mal mein Scheckbuch 😉

Tim ist der Meinung, dass es keinen Grund gibt, dass eine Agentur eine Magento-Enterprise-Edition überhaupt einsetzt, es sei denn zum Geld machen oder aus Ahnungslosigkeit.

So und das ist jetzt die Stelle an der ich aussteigen muss, ob ich nun Magento gut finde oder nicht (letzteres ist der Fall). Mag es vielleicht vor einigen Jahren noch der Fall gewesen sein, dass einem Kunden nicht bewusst war, wie weitgehend die Entscheidung für ein bestimmtes Shopsystem ist, so sind die Kunden heute in aller Regel gut informiert. Das heißt, die Agentur kann in den seltensten Fällen einen Kunden von einer Community oder bei Shopware und OXID gibt es darüber dann ja noch die Professional Edition zur Enterprise hin drehen. Solange eine Enterprise Lösung nicht durch das Projekt bedingt notwendig ist, wird wohl kaum ein Dienstleister eine 12.000 Euro Enterprise Lösung ins Spiel bringen, nur um dann eine kleine Provision zu kassieren.

Warum nicht? In den allermeisten Fällen gibt es für ein bestimmtes Projekt ein Budget und darin wird erstmal alles verwurstet – auch die Lizenzkosten. Heißt bei einem Budget von 70.000 Euro, sind nach der 12.000er Lizenz schonmal nur noch 58.000 Euro übrig. Müssen dann noch Server angeschafft werden (alles schon passiert), dann gute Nacht Marie. Dazu belastet dann noch der jährliche Support, der bei einem Enterprise Projekt natürlich auf einen höhren Euro Betrag hinausläuft die Kasse und das Budget in den Folgejahren. Als mittelständische Agentur leben wir von der Dienstleistung und sicherlich nicht vom Lizenzverkauf. Ein Kunde der eine grundlos überdimensionierte Lizenz angedreht bekommt und nach kaufmännischen Grundprinzipien handelt ist vorbelastet: Die Gesamtbetriebskosten (oder Total-Cost-of-Ownership) sind höher und die Rendite erstmal schlechter als mit einer sinnvoll dimensionierten Lizenz. Wenn ich jetzt mal zurückblicke auf die aktiven Kunden, die regelmäßig ihren Shop mit Dienstleistungen von uns voranbringen, dann sind das überwiegend die Kunden, die ein funktionierendes Online-Geschäftsmodell haben und deren Shops Geld verdienen, sprich rentabel sind. Die Agentur sollte also neben der Verpflichtung gegenüber dem Kunden auch immer ein strategisches Eigeninteresse daran haben, dass keine Überlizensierung erfolgt.

Wenn wir nun aber so auf dem Shopsystem und dem Lizenzmodell rumreiten, was ist nun eine sinnvoll dimensionierte Lizenz und welcher Anbieter passt zu mir? Magento oder doch lieber OXID oder Shopware?

a) Einsteiger: Für Kunden die mit den Standardfunktionen des jeweiligen Shops auskommen, ein geringes Budget < 10.000 Euro haben und erstmal ein wenig „spielen“ möchten. Hier sind die Community Versionen prima geeignet um ohne Lizenzkosten auszukommen.

b) Mittelklasse: Die Einstiegsversionen von OXID und Shopware sind schon recht leistungsfähig und kratzen an der Enterprise-Klasse zudem gibt es von beiden Herstellern einen erstklassigen Support.
Preis-/Leistungssieger ist hier ganz klar Shopware: Für 1.295 Euro bekommt man 12 Monate Support (danach ab 49 Euro/Monat) und hat im Vergleich zu Community zwei wichtige Features inklusive Mehrfachänderung und sogar ein Staging System. Für Premium-Module wie z.b. den intelligenten Newsletter oder eine intelligente Suche kommen nochmal jeweils 495 Euro oben drauf. Das läppert sich zwar, aber die Features sind ihr Geld wert und wären in „Agenturarbeit“ deutlich teurer zu erstellen. Die OXID Professional-Edition startet bei einmaligen Lizenzkosten von 2.990 Euro der Support startet bei 59 Euro im Monat. Wer sich beide Systeme anschaut wird zudem feststellen, dass das Shopware Backend schick gestaltet und intuitiv zu bedienen ist während, das OXID Backend zwar schneller lädt und wenn man die Bedienung verstanden hat auch gut zu bedienen ist, aber man hier eher Gefahr läuft Augenkrebs zu bekommen. Eine Überarbeitung des OXID Backends wurde auf der OXID Commons für Herbst 2014 angekündigt, hier darf man gespannt sein, was die Freiburger sich einfallen lassen.

Screenshot-Shopware-Backend
Screenshot-Shopware-Backend
Screenshot-OXID-Backend
Screenshot-OXID-Backend

Besonders schön ist, dass Shopware bereits im Standard Rechte und Rollen unterstützt, sowie wiedermal für 495 Euro einzelne zusätzliche Mandanten zugebucht werden können. Beides bietet OXID erst in der Enterprise Version. Darüber hinaus, gibt es bei Shopware eine API an die man mit etwas Know-How andocken kann. Der OXID ERP Connector kostet stolze 1.990 Euro zusätzlich. Oh, jetzt habe ich Magento vergessen, nein doch nicht, denn bei Magento gibt es weder Support, noch wird die Mittelklasse bedient da diese Anfang 2012 eingestellt wurde, Magento Agenturen besetzten die Lücke zwischen CE und EE und hiervon gibt es wie fast überall gute und schlechte.

 MagentoOXID PEShopware PE
Kostenkein Angebot2.990 Euro1.295 Euro
Supportab 59 Euro/Monat12 Monate inkl. dann ab 49 Euro/Monat
Stagingsystemnein, erst ab EEja
Mandantenfähigkeitnein, erst ab EEja je Mandant 495 Euro
Rechte & Rollennein, erst ab EEja
offene Schnittstelleoptionalja

c) Enterprise: Kommen wir zur Königsklasse, zumindest wenn wir die Online-Pure-Player wie Amazon und Co. mit ihren eigenen Entwicklungen mal außen vor lassen. Hier ist die Lizenzentscheidung zwar auch abhängig von einem Projektbudget, aber mehr noch von den Leistungsanforderungen. Insbesondere in den Peaks, also im B2C oftmals in der Weihnachtszeit müssen die Shops auch unter Last sicher und schnell funktionieren. Magento liegt hier bei 12.000 Euro pro Jahr. Ich muss nun zugeben, dass ich auf der mittelmäßig übersetzten Website von Magento daran gescheitert bin, eine detaillierte Leistungsübersicht zu finden. Sollte sich also in der Tabelle unten ein Fehler eingeschlichen haben, bitte einfach einen kurzen Kommentar posten. OXID EE beginnt ebenfalls bei 12.000 Euro für 1 Mandanten, 1 Admin User und 1 Single Server Installation. Eine zusätzliche SOAP-ERP-Schnittstelle, ohne die wohl kaum eine Enterprise-System auskommt, Stagingsystem oder die Varnish-Hochlastoption katapultieren die Lizenzkosten aber schnell über die Marke von 20.000 Euro. Verglichen hierzu ist es schon fast frech, dass Shopware einfach mal 10 Mandaten in seiner Enterprise Basic für 12.995 Euro einschließt. Der Support ist bei OXID vom gewünschten Service-Level abhängig und startet mit monatlichen Kosten ähnlich wie Shopware. Shopware hat hier den All-Inclusive Ansatz und inkludiert wieder 12 Monate Support. Danach liegt man unabhängig von den weiteren gebuchten Modulen bei 249 Euro/Monat.

 Magento EEOXID EEShopware EE
Kosten12.000 Euro/Jahr12.000 Euro12.995 Euro
Supportinklusiveab ca. 250 Euro/Monat12 Monate inkl. dann 249 Euro/Monat
Stagingsystemjaoptionalja
Mandantenfähigkeitjaoptional10 inkl.
Rechte & Rollenjajaja
Schnittstellejaoptionalja

Fazit:

Einsteiger, schaut Euch an welches Community-System OXID, Magento oder Shopware ohne Herstellersupport am besten zu Euch passt und dann – viel Glück 😉

Mittelklasse, hier führt kein Weg an der Shopware Professional Edition vorbei.

Enterprise nur mit Shopware, ist doch klar, oder!?
Leider ist es nicht ganz so einfach: Lassen wir Magento mal außen vor, Preis-Leistung, Support und Releasepolitik stehen stark in der Kritik. Ich habe Magento nie favorisiert und tue es auch heute nicht.

Bleiben Shopware und OXID: Shopware bei den Lizenzkosten attraktiver und das bessere Out-of-the-Box-Package, dazu macht die Arbeit im Backend sicherlich mehr Freude als bei OXID. Aber, und das sehe ich derzeit als einziges Shopware-Manko, Shopware räumt derzeit (noch) seinen Code auf, dazu kommt der Blumenstrauß an Frameworks den Shopware nutzt, Symfony 2, Enlight, Doctrine 2, im Backend führt kein Weg an Ext JS vorbei. Dagegen ist OXID geradezu schlank, wenngleich Symfony 2 auch dort kommt. Zudem glänzt OXID mit einem sauberen Quellcode und einer hohen Qualitätsdurchdringung durch Unit-Tests.

In den Enterprise-Projekten die ich in den vergangenen 15 Jahren begleitet habe, waren die Anforderungen immer sehr individuell, so dass mit dem Shop-Standard auch in den Enterprise Editions in den meisten Fällen kein Auskommen gegeben war. Im Enterprise Geschäft müssen dann Lösungen her und zwar nicht irgendeine Quick and Dirty Variante, sondern ein belastbarer sauberer Code. In der Summe dieser Anpassungsleistungen, die von Dienstleistern wie uns gegen Entgelt gerne erbracht werden, kann sich ein Lizenzkostenvorteil wieder aufheben, hier ist dann immer die Expertise des Agenturpartners gefragt um eine passende und wirtschaftliche Lösung zu finden.

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

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