Ein Teller bunte Knete

Wie kommt es eigentlich, dass immer noch viele Online-Shops aussehen wie ein Teller bunte Knete? Ganz einfach: Es gibt immer noch den Typus Shopbetreiber, der dazu neigt eher wahllos in die Kiste mit den vielen bunten Features zu greifen, ohne sich im Vorhinein mit der Sinnhaftigkeit des Einsatzes zu beschäftigen.

Der mittlerweile ziemlich große Standard-Funktionsumfang vieler ernstzunehmender E-Commerce-Lösungen macht es den Shopbetreibern dabei nicht gerade schwer ihren Shop maßlos zu überfrachten. Getreu dem Motto: Wenn es schon dabei ist, dann können wir es ja auch nutzen. Nur, warum eigentlich? Viele Shopbetreiber scheinen unter so etwas wie dem „Schweizer Taschenmesser Syndrom“ zu leiden – selbst da, wo man es nicht erwartet hat man noch irgendwo ein kleines Feature versteckt. Johannes Altmann von Shoplupe hat z.B. vor längerer Zeit berechtigterweise die Sinnhaftigkeit der Merkliste angezweifelt – nur eine der zahllosen Funktionen, die man bei vielen Online-Shops einmal getrost zur Diskussion stellen darf.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Die meisten Features haben ohne Zweifel eine Berechtigung, aber erstens nicht alle auf einmal und zweitens nicht in jedem Shop. Es kommt auf das Geschäftsmodell, die Produkte und natürlich vor allem auf die Zielgruppe an, welche Funktionen Sinn machen, womit man seinen Besuchern einen echten Mehrwert bietet oder was vielleicht eher nutzlos und unter Umständen sogar störend wirkt. Um einen Vergleich heranzuziehen: Wenn ein bekannter Doppel-Null-Agent aus England in seinen Aston Martin steigt, wird er sich inmitten der zahlreichen Knöpfe und Hebel wohl fühlen und mit der Bedienung des Autos keine Probleme haben. Für ihn ist es also genau das richtige Fahrzeug. Aber die meisten Nicht-Agenten unter uns hätten wahrscheinlich viel zu große Angst, durch den unbedachten Druck auf einen Knopf, gleich den Schleudersitz zu aktivieren. Da lässt man den Hightech-Wagen doch lieber stehen und greift zu einem Fahrzeug mit dem man auch umgehen kann. So wird auch der ein oder andere Besucher eines Online-Shops vor lauter Buttons und Handlungsaufforderungen ebenfalls lieber die Flucht ergreifen.

Kurz gesagt: Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Philipp Hoberg

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