Digitalisierung – Was ist das eigentlich?

Alle reden von Digitalisierung und davon, dass man jetzt handeln muss. Was aber genau steckt hinter Begriffen wie Digitalisierung, Digitaler Transformation und Digitalem Wandel?

Die ersten Digitalisierungprojekte

Ich erinnere mich, dass wir vor deutlich mehr als 10 Jahren für einen Kunden ein System auf dessen Webseite integriert haben, dass es dem Benutzer ermöglichte angebotsrelevante Daten in ein Formular einzugeben. Die eingegebenen Werte wurden auf Plausibilität geprüft und einige Berechnungen durchlaufen. Anschließend wurde daraus eine Anfrage an den Vertrieb generiert, der nun deutlich weniger Arbeit und Zeit für andere Aufgaben hatte. Dann gab es einen Kunden, der sein ganzes Lieferprogramm auf CD gebrannt haben wollte. Darauf war neben den Produktdaten eine kleine Software, die die Suche innerhalb des komplexen Sortiments ermöglichte. Die gefundenen Daten wurden an eine Webseite übergeben und daraus eine Anfrage generiert. Oder schließlich der Kunde, der mit einer bestimmten Drucktechnik den Fotodruck auf Geschirr ermöglichte und wir hierfür das passende Online-Geschäftsmodell entwickelten.

Aus heutiger Sicht sind die drei Lösungen in der Tat keine Raktentechnik mehr, aber für mich waren diese Projekte die ersten richtigen Digitalisierungslösungen die mein Team und ich umsetzen und begleiten durften. Nicht, dass uns das Anfang der 2000er Jahre schon klar war, denn wir waren noch zu weit vom heutigen Stand der Technik entfernt: Damals ging man mit ISDN-Einwahl online und die meisten Handys konnten 160 Zeichen SMS und davon sage und schreibe 15 SMS speichern. Die Welt vernetzte sich zwar, aber eben langsam.

Alles wird digitaler

Dann kam die Digitale Revolution: Die Datennetze wurden schneller und der Zugang günstiger. Smartphones nahmen Einzug in unser Leben, Drohnen sind längst kein Science-Fiction mehr, selbstfahrende Autos werden getestet, Fitness-Tracker sagen uns wenn wir den Hintern hochbekommen sollten und einen Großteil unserer Einkäufe erledigen wir natürlich im Netz und schicken an unsere Follower sodann eine Info was wir uns denn schönes geleistet haben. Zeitung lesen wir online, Musik und Videos werden zeitgemäß gestreamt.

Kurz, die Welt um uns herum wird immer digitaler und dieser Prozess ist längst nicht mehr so schön gemächlich und schleichend wie er vor einigen Jahren einschien. Und auch, wenn wir uns diesen Herausforderungen noch gar nicht gestellt haben, das Internet der Dinge bringt bereits die nächste Stufe der Evolution: Der Drucker, der seine Druckerpatronen selbst nachbestellt oder der Kühlschrank der Getränke ordert, das Auto, dass zum Ölwechsel gleich eine Marke empfiehlt, all das sind sind die Dinge die kommen werden und in den nächsten Jahren so ziemlich alles zum Point-of-Sale machen, was mit dem Internet kommunizieren kann.

„Toll“, wird nun der eine oder andere denken, spätestens dann muss ich meinem Partner ein Kreditkartenlimit setzen, aber was hat das für Auswirkungen auf meine Branche und auf mein Unternehmen, sagen wir mal für den Hersteller von Biegemaschinen?

Der Effizienzdruck steigt

Auch wenn heute noch viele Betriebe und Dienstleister analog sehr effizient funktionieren, wird mit einer weiter zunehmenden Digitalisierung der Effizienzdruck soweit steigen, dass Unternehmen, die sich mit dem Digitalen Wandel beschäftigt haben und eine digitale Transformation durchlaufen haben einen klaren Wettbewerbsvorteil haben werden. Hier ein paar Anwendungsbeispiele (Und es gibt noch unendlich viele mehr – glauben Sie mir.):

Digitalisierung von Serviceprozessen

Stellen Sie sich vor, Ihre Biegemaschinenmanufaktur läuft ganz erquicklich und die Maschinen sind rund um den Globus im Einsatz. Da gibt es immer wieder Wartungs- und Reparaturbedarf. Vielleicht haben Sie ein Netz von Spezialisten auf der ganzen Welt aber auch die müssen ständig geschult werden. Auch die Zeit bleibt nicht stehen und der eine oder andere Spezialist für die ganz alten Schätzchen begibt sich in den verdienten Ruhestand. Klar, sie haben Schränke voll mit Dokumentationen und Ihre Frau Müller-Meier-Schulze kommt nächste Woche aus dem Urlaub wieder – die findet sicherlich die gewünschte Information. Blöd nur, dass das Daisuke Kobayashi der gerade in Fukuoka an einer streikenden Biegemaschine steht sehr wenig hilft…

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Maschinenreparatur
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Die Digitalisierung von Servicevorgängen, das zugänglich machen von Expertenwissen sind Aufgabenstellungen denen sich Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel und immer schnelleren Produktlebenszyklen stellen müssen. Aber auch die Kunden werden anspruchsvoller, sie wollen nicht tagelang auf ein Fax mit Informationen warten, Sie erwarten alle wichtigen Informationen schnell und einfach zu jeder Zeit online zu finden und benötigte Ersatzteile schnell und einfach zu jeder Zeit bestellen zu können.
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Digitalisierung im Vertrieb

Das wäre doch was: Ihr Außendienst ist beim Kunden und der Kunde möchte bestellen. Zu oft wird hier noch zu Zettel und Stift gegriffen. Wenn es brennt wird noch schnell hektisch mit der Zentrale telefoniert… Oder Ihre Vertriebspartner sind beim Kunden auf der Baustelle, machen aufwändig ein Aufmaß, dann ab ins Büro und ein Angebot erstellen. Mühsam oder? Hier können Digital Commerce Lösungen helfen. Für alle oder nur für bestimmte Benutzer offene Online-Shopsysteme die so perfekt in die IT-Welt integriert werden, dass Sie Ihrem besten Vertrieber ordentlich Konkurrenz machen werden. Ihre Produkte sind zu erklärungsbedüftig, die Preisstrukturen zu komplex, die nötigen Informationen liegen nur analog vor? Na, dann ist es doch allerhöchste Eisenbahn den ersten Schritt zu tun. Die Lösung besteht nicht darin, auf neue Standards zu hoffen und abzuwarten, sondern darin, die Komplexität erfolgreich zu managen.

Digitalisierung in der Kommunikation

Wenn Sie schonmal das Vergnügen hatten mit einer Telefonhotline zu sprechen und das Problem nicht sofort gelöst wurde, Sie zwei drei Tage später wieder anrufen, tja, dann fangen Sie wieder bei 0 an. Wenn ein Unternehmen so mit seinen Kunden kommuniziert, glauben Sie dann das die interne Kommunikation dort besser funktioniert? Ich habe mich bei einem großen Telekommunikationsunternehmen auf ein Mailing für eine Lösung interessiert und mich dort gemeldet. Es sind nur bereits 7 Wochen vergangen ohne eine Rückmeldung. Hier ist die Chance für einen anderne Anbieter, der seine Kommunikation innen und außen optimiert hat. Es ist so einfach den Kunden zu begeistern und die dafür nötige Technik gibt es schon längst.

Das Disrup-irgendwas

Ja, das ist nicht zu vergessen, disruptive Geschäftsmodelle und disruptive Innovationen: Eine disruptive Innovation ist ein Prozess, der in einer kleinen, unscheinbaren Nische einer Branche beginnt. Die Folge: Neue Wettbewerber aus ganz anderen Branchen oder Nischenanbieter erobern immer schneller angestammte Geschäftsfelder des Mittelstands. 1998 erfand ein damals 18 Jähriger Stundent die Musiktauschplattform Napster. Seitdem bröckelt der Absatz der Musikindustrie kontinuierlich. Contorion, ein mit viel Geld ausgestattetes Berliner Startup, wird dem klassischen Technischen Händler sicherlich noch einiges an Kopfzerbrechen machen. Kunststück, denn Contorion bündelt „nur“ die Nachfrage und muss sich nicht um Lagerhaltung, Finanzierung und andere klassische Handelsfunktionen kümmern. Vor Uber zittert die ganze Taxibranche. Und hätten Sie mal gedacht, dass Sie Ihre Flüge nicht mehr über Ihr Reisebüro buchen…

Jetzt aber schnell!

Wirklich, ja, jetzt, sofort. Die Digitalisierung ist eine Chance und muss als solche verstanden werden. Es geht nicht nur um Technologie – dafür gibt es Experten wie uns – im ersten Schritt geht es um den Wandel in unseren Köpfen: Erfolgreiche und frühzeitige Digitalisierung braucht Raum. Raum um Erfahrungen zu sammeln, Raum für Innovation und auch Raum für Rückschläge. Und keine Sorge: Digitale Transformation muss nicht auf einen Schlag in allen Unternehmensbereichen umgesetzt werden. Es ist wichtig, mit den Schlüsselbereichen der Wertschöpfung zu beginnen.

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.

Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.

Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

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