2. Content Commerce Camp in Leipzig

Das Content-Commerce-Camp ging am 11. und 12. Mai 2015 in die zweite Runde. Zusammen mit der deutschen Meet-Magento wurde das Leipziger Westin Hotel für 2 Tage zur unangefochtenen Ecommerce-Hochburg Deutschlands. Rund 30 Teilnehmer kamen zum als Barcamp angelegten Content-Commerce-Camp.

Die kleine Gruppe ermöglichte einen intensiven und offenen Austausch über Content Strategy, Storytelling Content und Commerce. Schön war, dass neben vielen aus dem letzten Jahr bereits bekannten Gesichtern auch noch ein paar neue Teilnehmer und sogar zwei Teilnehmerinnen aus Österreich den Weg nach Leipzig gefunden haben.

Nach meinen zwei vorangegangenen Barcamps bin ich jetzt fast schon ein alter Hase, zumindest bis auf die Tatsache, dass ich meine 3 Hashtags für die obligatorische Vorstellungsrunde nicht parat hatte. So wurde Nummer 3 zu #wasweissich

Nach der Vorstellungsrunde ist vor dem Sessionpitch: Rund ein Drittel der Teinehmer waren bereit eine Session zu halten, so dass die ersten 10 Session-Slots für Tag 1 ratz-fatz gefüllt wurden und sogar noch Platz für die Off-Topic-Session „Ballengang mit Butschinek“ blieb.

Ich schaue mir die Session „Content Übersetzung – wie bringe ich eine Marke in andere Märkte“ von Felicitas Kermarrec, der Localization Managerin von Spreadshirt an. Felicitas spricht sehr offen über den Ablauf des Übersetzungsprozesses bei Spreadshirt. Ich muss zugeben, ich hatte erwartet, dass dort für jeden Markt ein Muttersprachler sitzt und alle Inhalte intern übersetzt werden. Es ist völlig anders: Übersetzungen werden außer für die Kernmärkte über freie Übersetzer vorgenommen und später nochmal von Proofreader (ebenfalls überwiegend frei) gecheckt. Der Prozess bedeutet viel Organisation und lässt sich zudem recht schwer kontrollieren. Ein weiteres Problem ist es die freien Übersetzer langfristig zu binden und somit auch bei kleineren monatlichen Umsätzen für die Übersetzer an das Unternehmen zu binden und einen Bezug zur Marke aufzubauen. Spreadshirt setzt hier auf persönlichen Kontakt und lädt die Übersetzer in die Zentrale zum On-Boarding ein. Auch wenn ich den Spreadshirt Prozess nicht für meine Kundenprojekte übernehmen wollen würde, war es sehr interessant einmal einen Einblick in die Welt eines namhaften Online-Pure-Players zu bekommen, die Probleme sind nämlich gar nicht so weit entfernt von denen deutlich kleinerer Online-Händler.

Nach der Session von Felicitas geht es mit Danny Nauth und einer sehr anschaulichen und spannenden Session zum Thema „Emotion Sells“ weiter. Für mich eine der Top-Sessions des Tages.

Nach einer angenehm ausgiebigen Mittagspause und extrem netten Tischgesprächen geht es in die Nachmittagsrunden. Florian Tempelmann von Speadshirt plaudert aus dem Nähkästchen, wie Storytelling auch mal vor die Wand fahren kann. Dann nämlich, wenn Marketing und Content Abteilungen nicht wirklich ein einheitliches Ziel mit einem gemeinsamen Konzept verfolgen. Auch das ist toll an einem Barcamp, es gibt ehrliche Einblicke und nicht nur Erfolgsstories. Klasse auch, dass das Spreadshirt-Management seinen Leuten hier keinen Maulkorb verpasst sondern offen auch über Dinge sprechen lässt die anders laufen als geplant.

Die Kaffeepause nutze ich zum einchecken (gute Entscheidung, denn nach mir kommt ein Reisebus an). Im Anschluss eine Session mit Butsch dem „Chef von Ganzes“ und Organisator des Camps zum Thema „Inbound Ecommerce – mit System zu treuen Kunden“. Super interessant, zumindest als er seine Folien aus der Cloud geholt hat, das WLAN war nämlich leider immer durch die Meet-Magento Jungs belegt. Ich lerne einige für mich neue Möglichkeiten für Inbound-Marketing kennen und Butsch stellt kommerzielle und nicht kommerzielle Tools vor, die ich mir auch sicher noch genauer anschauen werde. Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich den korrespondierenden Beitrag im Blog auf Content-Driven-Ecommerce.

Die letzte Session des Tages ist für mich Roman Zenner. In seine „Conducted Commerce“ Präsentation, die ich leider beim Ecommerce-Camp in Jena verpasst habe, hat der alte Fuchs flott noch das Wort Content eingeflochten und so hier die Session zum „Conducted Content Commerce“ kreiert. Roman stellt darin technisch getrieben Ansätze vor, die für aktuelle Probleme im Ecommerce Alternativen darstellen könnten (Stichwort: Weg vom monolithischen Ansatz eines Shopsystem, hin zu einer cloudbasierten Lösung die exakt auf den Kunden zugeschnitten wird.). Damit „Content“ nicht zu kurz kommt, zeigt Roman auch noch API-Lösungen die genutzt werden können um externe Inhalte auf Websites einzubinden, wie z. B. die API der Zeit. Abgerundet wird der Vortrag noch durch eine kurze Demo einer Sphere.io Integration in NEOS.

Am Ende des Tages steht eine Feedbackrunde an. Ich hasse Butsch dafür. Ich will noch kurz aufs Zimmer und Duschen, damits wohlriechend zur Abendveranstaltungung in der Leipziger Moritzbastei gehen kann. Keine Chance. Jeder muss was sagen, ob er will oder nicht. Naja, sei es drum das Feedback ist überwiegend positiv und das soll hier ja auch erwähnt werden.

Bei der Abendveranstaltung in der Top-Location „Moritzbastei“ in Leipzig mischen wir uns unters Meet Magento Volk. Bei leckerem Essen und noch mehr Bier beschließen wir einen lauen Frühsommerabend bei netten Gesprächen. Stellvertretend für alle Teilnehmer hat Jörg Schäffer von CoreMedia dann noch den Panorama-Tower-Leipzig erklommen und uns ein wunderbares Bild vom nächtlichen Leipzig geschickt.

Fazit: Das Content-Commerce-Camp hat sich mit der 2. Auflage etabliert und ist fester Bestandteil in meiner Jahresplanung. Das kleine aber feine Camp besticht durch ein interessantes Publikum, einen offenen Austausch unter den Teilnehmern und eine sehr nette fast schon familiäre Atmosphäre.

Ich fürchte beim nächsten Camp werde ich nicht umhin kommen einmal über meinen Schatten zu springen auch einmal eine Session anzubieten (wenn sie denn jemand hören will). Mh… warum weiß ich, dass jetzt gerade ein kleiner Mann in Leipzig im Ballengang um seinen Schreibtisch wackelt, sich freut und es für mich jetzt kein Zurück mehr gibt…. 😉 Kleiner Insider @Butsch: MOVE!!!

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

1 Comment
  • Butsch

    13. Mai 2015 at 17:03

    „wenn Marketing und Content Abteilungen nicht wirklich ein einheitliches Ziel mit einem gemeinsamen Konzept verfolgen“

    Das ist der Klassiker und ein klares Zeichen dafür, dass eine Content Strategy fehlt.

    Ich war ja leider nicht in der Session – sonst hätte ich das als Nummer 8 in meine Session vom 2. Tag genommen „7 Zeichen, dass dir eine Content Strategie fehlt“.

    Eine Session kannst du im nächsten Jahr locker machen … Material gibt es aus deiner Praxis genug … Aus der Nummer kommst du jetzt auch nicht mehr raus 😉