1. Content Commerce Camp in Leipzig

Am 17. und 18. Oktober 2014 fand in Leipzig, das erste Content-Commerce-Camp statt. Da der Veranstalter der von mir hochgeschätzte Udo „Butsch“ Butschinek von Zimmer19 ist, war es für mich natürlich Ehrensache in Leipzig mit von der Partie zu sein.

Die Location für die als Barcamp geplante Veranstaltung in den Leipziger Foren war super Zentral und Fußläufig vom Bahnhof zu erreichen. Ich schätze (und darin bin ich schlecht), dass rund 40 Teilnehmer beim Auftakt mit dabei waren. Bei der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde wurde schnell klar, das die meisten Teilnehmer – wie ich – keine Barcamp Erfahrung haben. Dementsprechend wurde zunächst kurz erklärt, wie ein Barcamp überhaupt funktioniert.

Mit diesem Wissen gewappnet wurden sodann die Sessions gepitcht. Den vollständigen Sessionplan beider Tage findet Ihr hier. Dann kurz durchatmen und schon gings los.

Herausragend war für mich die zweite Session des Tages, von Saim Rolf Alkan, der zum Thema „automatisiertes Texten“ natürlich auch ein wenig Eigenwerbung gemacht hat. Was er aber vorgestellt hat, fand ich beeindruckend. Ich stehe automatisiertem Texte sehr kritisch gegenüber, muss das aber nach den Beispielen die Saim uns gezeigt hat überdenken. Ich war sehr überrascht wie gut ein automatisch erstellter Text klingen kann und so garnicht nach Maschine… Wahnsinn, welche Einsatzmöglichkeiten sich damit ergeben Produkttexte, Rezensionen, persönliche Kundenbegrüßung, Newsletter und und und… Ich werde mir das im Nachgang zur Veranstaltung noch einmal sehr genau anschauen und vielleicht auch künftig in einem geeigneten Projekt einsetzen.

Nach Saims Session geht es in eine sehr kurzweilige Mittagspausen mit leckerem Essen und guten Gesprächen mit den anderen Teilnnehmern.

Nach der Pause folgte eine gut besuchte, sehr interessante und am Morgen spontan an Dave Gorman von Spreadshirt vergebene Session zum Thema „Storytelling“. Insbesondere die spannende Diskussion, die sich hier entwickelt hat war klasse. Ich nehme für mich aus dieser Session den Eindruck mit, dass in vielen Unternehmen das Thema Content-Strategie noch nicht in allen Ebenen angekommen ist und sich selbst die Content-Spezialisten noch auf das Thema einstellen: Wie nutze ich die Daten meiner Kunden richtig um ihnen die passenden Inhalte anbieten zu können? Wie gehe ich optimal mit User generated Content um? Wie finde ich eine Sprache die zu mir und meinen Produkten passt und bleibe authentisch? Allesamt Fragen die nicht pauschal zu beantworten sind, aber exemplarisch zeigen, wie vielschichtig Content-Strategy in einem Medium ist, das eine 100-prozentige Vergleichbarkeit zwischen den Produkten und Leistungen verschiedener Anbieter zulässt und in dem eine Differenzierung über Inhalte eine große Chance ist.

Mein Fail des Tages war eine Session zum Thema „Anfassbarkeit von persönlichen Produkten“. Max, Augenoptikermeister und Gründer der Brillenmanufaktur St. Eilen hat ein wenig über sich und seine Brillen erzählt. Sein Hauptproblem ist, ein so persönliches Produkt wie eine Brille über das Netz zu vertreiben ohne auf Tools wie die bei Mr. Spexx und Co. angebotene 3D-Anprobe zurückgreifen zu müssen. Seine Gegenlösung: Das Papierexperiment, bei dem eine Brille auf einem Bastelbogen ausgedruckt und ausprobiert werden kann. Ich habe mir hier eigentlich erhofft, etwas über den Brillenrand hinaus zu lernen und mir eine Diskussion und zusätzliche Anregungen erhofft. Leider bleiben wir auf dem Thema Brillen und bei Max hängen.

Alles in allem war das 1. Content-Commerce-Camp in Leipzig ein intensives, hochinteressantes Camp mit mehr Höhen als Tiefen, interessanten Gesprächen, neuen Kontakten in einer sehr gut gewählten Location (wer keine Session für sich finden konnte, hatte immer noch die Möglichkeit „Baustelle zu gucken“).

Der Barcamp-Charakter stand der Veranstaltung sehr gut. Ich muss zugeben, dass ich mich zunächst etwas schwer getan habe, denn bei einem Barcamp können auch spontan und unvorbereitet Sessions gehalten werden. Es ist daher ganz natürlich, dass das nicht immer alles so geplant, strukturiert und glatt vonstatten geht wie ein einstudierter Frontalvortrag. Aber das macht es ja dann auch irgendwie aus, ich werde jedenfalls nun Barcamps eher ins Auge fassen als zuvor. Die in der Schlussrunde angesprochenen Verbesserungsvorschläge für das kommende Jahr sind daher überschaubar und beschränken sich darauf, die Sessions so zu planen, dass immer mindestens noch die Hälfte der Session-Zeit für den offenen Austausch, Fragen und Diskussion bleiben. Darüber hinaus sollte das Überziehen von Sessions unterbunden werden. Entweder die Sessions enden pünktlich oder interessante Diskussionen können in den Pausen weitergeführt werden.

Das Content-Commerce-Camp wird auf jeden Fall auch im kommenden Jahr einen Eingang in meinen Kalender finden. Wenn ich Butsch richtig verstanden habe, wird es im kommenden Frühjahr bereits eine 2. Auflage geben.

Oliver Kraft

Oliver Kraft ist Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters sologics GmbH & Co. KG.Der staatlich geprüfte Betriebswirt kann auf mehr als 18 Jahre E-Commerce Erfahrung zurückgreifen. Er begleitet erfolgreich zahlreiche E-Commerce Projekte verschiedenster Größenordnung – vom Startup bis zum börsennotierten Großunternehmen.Oliver Kraft ist verheiratet und stolzer Vater von 2 Söhnen.

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